043 MFH Freiburgstrasse
Zusammenarbeit mit Baukonstrukt AG, Holzbaukonstrukt AG und Kesküla Erard Landschaftsarchitekten
Visualisierungen: Michal Gursztyn
STÄDTEBAU UND FREIRAUM
Der Baukörper schliesst eine städtebauliche Lücke zwischen dem Heller-Hochhaus im Norden, den Schrebergärten im Osten und der stark befahrenen Verkehrsachse im Süden. Seine Ausrichtung entlang der Bahnlinie nimmt ein prägendes Element des Ortes auf und verankert das Gebäude in der bestehenden Struktur. Auf der Nordseite fügt sich das Volumen in die bestehende Bebauung ein, übernimmt die Fassadenflucht des Heller-Hauses und formuliert gemeinsam mit diesem eine klare räumliche Kante zum Grünraum der Schrebergärten. Zur Freiburgstrasse hin entsteht ein neuer Quartierplatz, der als Schnittstelle zwischen Strassenraum und Fusswegen dient. Er übernimmt eine wichtige Funktion als Aufenthalts- und Begegnungsort und stärkt die Vernetzung des Quartiers.
NUTZUNGSKONZEPT
Das sechsgeschossige Gebäude differenziert die Wohnangebote nach Geschossen. Im Erdgeschoss und 1.OG sind Kleinwohnungen (1.5- bis 2.5-Zimmer), Clusterwohnungen und flexibel nutzbare Gemeinschaftsräume angeordnet. Diese Geschosse bieten Raum für neue Wohnformen und fördern den sozialen Austausch. Zielgruppe sind vor allem Einzelpersonen oder Paare aller Generationen, die gemeinschaftliches Wohnen suchen, dabei aber auch Rückzugsmöglichkeiten schätzen. Im 2. bis 5.OG sind Familienwohnungen unterschiedlicher Grösse (3.5- bis 5.5-Zimmer) vorgesehen. Die Vielfalt der Grundrisse ermöglicht massgeschneiderte Lösungen für unterschiedliche Bedürfnisse. Es entsteht ein lebendiges Haus, das verschiedene Lebensformen unter einem Dach vereint und zugleich soziale Durchmischung fördert. Für sämtliche Wohnungen stehen gemeinschaftlich nutzbare Innen- und Aussenbereiche im Erdgeschoss zur Verfügung.
ARCHITEKTUR UND MATERIALISIERUNG
Der grosszügig dimensionierte Treppenkern bildet das lichtdurchflutete Herzstück des Gebäudes und fungiert als Begegnungsraum. Drei doppelgeschossige Räume im Erd- und 1.Obergeschoss bringen zusätzliches Tageslicht ins Innere. Die abwechselnd eingesetzten, schalungsglatten und sandgestrahlten Sichtbetonoberflächen werden durch hölzerne Wohnungseingangstüren ergänzt. Der warme Tonplattenboden rundet den Materialkanon im Treppenhaus ab. Die Grundrisse folgen einem klaren Prinzip: Im inneren Ring sind Erschliessung, Küchen, Nasszellen und Installationsstränge konzentriert. Der im Treppenhaus eingesetzte Tonplattenboden wird auch in den Nebenräumen eingesetzt. Im äusseren Ring sind Wohn- und Schlafräume angeordnet. Hier erfolgt ein Materialwechsel auf den geschliffenen Unterlagsboden. Die Wände sind mineralisch verputzt. Die Brettschichtholzdecken sind sichtbar und mit leicht weiss pigmentiertem UV-Schutz behandelt. Jede Wohnung verfügt über einen grosszügigen Balkon, der vorgelagert zur Fassade auch die Funktion von Lärmschutz und Beschattung übernimmt.
Die Fassade übersetzt die Logik des Tragwerks in eine klare, wiederholte Rasterstruktur. Einheitliche Fensterformate und die reduzierte Materialität unterstreichen die Effizienz und Robustheit der Bauweise. Die Fenster sind raumhoch und als französische Balkone ausgebildet. Die geschlossenen Fassadenfelder sind mit einer vertikalen Holzschalung verkleidet, könnten jedoch alternativ mit unterschiedlichen Reuse-Verkleidungen bestückt werden. Die vorgelagerte Balkonkonstruktion ist farblich von der Fassade abgehoben. Über den Balkonen sorgen Photovoltaik-Segel für erneuerbare Energieproduktion und verleihen dem nüchtern strukturierten Baukörpern eine unverwechselbare Silhouette und stärken die Identität des Gebäudes im städtischen Kontext.
TRAGWERK UND KONSTRUKTION
Das Tragwerk des sechsgeschossigen Wohnbaus basiert auf einer konsequenten Holzkonstruktion in Kombination mit ausgewählten Massivbauelementen. Dabei werden nur die erdberührten Bauteile und die Treppenhauswände in Massivbauweise errichtet. Die Geschossdecken in den Obergeschossen werden als Massivholzdecken aus Brettschichtholz ausgeführt. Der Deckenaufbau umfasst einen schwimmenden Unterlagsboden mit Trittschalldämmung und Splittschüttung, wodurch sowohl die bauakustischen Anforderungen als auch ein sinnvolles Mass an Wohnkomfort erfüllt werden. Die vertikale Lastabtragung erfolgt über ein regelmässiges Raster von Holzstützen, ergänzt durch Unterzüge, welche die Spannweiten der Decken wirtschaftlich reduzieren. Durch die Kombination von Trägern und Stützen entsteht ein flexibles Grundrissraster, das sowohl standardisierte Wohnungsgrössen als auch Cluster- und Gemeinschaftswohnungen ermöglicht. Die horizontale Aussteifung des Bauwerks wird über den massiven Erschliessungskern gewährleistet, an dem die als Scheibe ausgebildete Geschossdecke auf jedem Geschoss angeschlossen wird. So ist eine robuste Gesamtstabilität des Gebäudes sichergestellt, ohne die Flexibilität der Holztragstruktur einzuschränken.
Bei der Balkonkonstruktion wird das Tragsystem von Innen übernommen. Um eine langlebige und wartungsfreie Konstruktion im Aussenbereich zu gewährleisten, werden anstelle der Massivholzdecke Fertigbetonelemente eingesetzt, welche von Primärträger zu Primärträger spannen.
SOMMERLICHER WÄRMESCHUTZ UND NACHHALTIGKEIT
Der sommerliche Wärmeschutz wird durch die hohe Speichermasse von Unterlagsboden, Schüttungen und Treppenhauswänden begünstigt. Ergänzend wirken die vorgelagerten Balkone als baulicher Sonnenschutz. Individuell bedienbare Sonnenschutzvorhänge und Fassadenmarkisen dienen als wirksame Beschattungsmöglichkeit. Die Oblichter und Öffnungen im Erdgeschoss gewährleisten eine effiziente Nachtauskühlung des Treppenhauses und der umliegenden Betonwände. Die Anordnung der Nebenräume im inneren Ring erlaubt eine kompakte und energieeffiziente Führung der Haustechnik, was zur ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit beiträgt. Der grosse Anteil an Holzwerkstoffen senkt die CO2 Emissionen für die Erstellung des Gebäudes deutlich. Sofern in sinnvoller Transportdistanz ein CO2-reduziertes Betongranulat oder ein entsprechender Zement verfügbar ist, kann zusätzliche graue Energie eingespart werden. Die sinnvolle Strukturierung des Tragwerks ermöglicht eine hohe Nutzungsflexibilität und eine langfristige Anpassungsfähigkeit des Gebäudes.
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